Schwerpunkt "Forensische Psychiatrie"


 

INHALT

 

 

1. DGPPN-Zertifizierung "Forensische Psychiatrie"
2. Weiterbildungsinhalte Theorie (DGPPN)
3. Schwerpunkt "Forensische Psychiatrie" (Weiterbildungsordnung für Ärzte)

 

 


 

 

1. DGPPN-ZERTIFIZIERUNG "FORENSISCHE PSYCHIATRIE"

 

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) vergibt das Zertifikat "Forensische Psychiatrie". Für den Zeitraum von 3 Jahren galt bis zum 31.10.2003 eine erleichterte Übergangsregelung. Diese wurde durch folgende Regelungen abgelöst:

 

  • Facharztanerkennung für Psychiatrie oder Psychiatrie und Psychotherapie. Mindestens dreijährige Fortbildung in forensischer Psychiatrie, davon mindestens 2 Jahre nach der Anerkennung zum Facharzt oder mindestens sechsjährige forensisch-psychiatrische Tätigkeit.

  • Nachweis von mindestens 240 Stunden theoretischer Ausbildung in akkreditierten Seminaren/Tagungen.

  • Nachweis von mindestens 70 supervidierten Gutachten, davon 40 zu Fragen des Strafrechts, 10 zivilrechtliche, 10 sozialrechtliche und 10 Gutachten auf weiteren Rechtsgebieten.

  • Mindestens ein Jahr praktische Fortbildung in einer Klinik des Maßregelvollzugs oder einer stationären Therapieeinrichtung.

 

Die Beschlüsse der DGPPN zum Zertifikat "Forensische Psychiatrie" können im Mitteilungsorgan der Fachgesellschaft nachgelesen werden:

 

  • Nedopil N., Saß H. (1997) Schwerpunkt "Forensische Psychiatrie"?  Nervenarzt 68: 529-530

  • Saß H. (2000) Zur Reform der Musterweiterbildungsordnung: Schwerpunkt "Forensische Psychiatrie", Weiterbildungscurriculum und Übergangsbestimmungen. Nervenarzt 71: 763-66

 

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2. WEITERBILDUNGSINHALTE THEORIE (DGPPN)

Für das Zertifikat "Forensischer Psychiater" der DGPPN müssen folgende theoretische Weiterbildungsinhalte nachgewiesen werden. Diese sind im Rahmen anerkannter Weiterbildungsveranstaltungen zu erwerben.

Gebiet

Untergebiet

Thema

Dauer
Std.

Allgemeines

Grundlagen


Gutachtentechnik

Rolle des Sachverständigen
Juristische Terminologie und Argumentation
Mehrstufigkeit bei der Beantwortung von Gutachtensfragen
Herstellung des Gutachtens
Darstellung des Gutachtens
Entschädigung

12

Strafrecht

Schuldfähigkeit

Grundsätze
Krankhafte seelische Störung
Tiefgreifende Bewusstseinsstörung
Schwachsinn
Schwere andere seelische Abartigkeit
Persönlichkeitsstörungen, Sexualdelinquenz, andere Störungen

40

Jugendrecht

§ 105 JGG, § 3 JGG
Alternative Sanktionen bei Kindern und Jugendlichen
Kriminalpräventive therapeutische Möglichkeiten b. Kindern u. Jugendlichen

8

Opfer und Zeugen

Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen
Betreuung und Entschädigung von Opfern

8

Kriminalprognose

Theoretische und methodische Grundlagen
Kriterien und Anwendungsmethoden
Prognoseinstrumente

40

Andere Fragen

Haftfähigkeit, Vernehmungsfähigkeit, Verhandlungsfähigkeit

4

Zivilrecht

Sonstige Fragen

Rechtliche Stellung
von Patienten

Geschäftsunfähigkeit
Testierunfähigkeit
Eherecht
Haftungs- und Schadensersatzrecht
Einwilligungsunfähigkeit
Vollmacht und Betreuung
Unterbringung
Sorgerecht
Deliktfähigkeit

24

Kinder und Jugendliche

Sozialrecht

Aufgaben des Sozialrechts

Sozialrechtliche Grundbegriffe
Versicherungsrecht
Quantifizierungsmaßstäbe
Zusammenhangsfragen
Beweisführung und Beweisanforderungen

20

Verwaltungsrecht, Disziplinarrecht, Wehrtauglichkeit, Fahreignung

4

Maßregelvollzug

Rechtliche Grundlagen

der Unterbringung
der Behandlung
der Entlassung

56

Formale und strukturelle
Grundlagen

der Sicherung
bei Verlaufsprognosen
bei Lockerungsentscheidungen
bei Ausgang und Beurlaubung
bei Entlassung
Struktur von Maßregeleinrichtungen
Charakteristika von Maßregelvollzugspatienten
Kriminogene Faktoren bei psychisch gestörten Rechtsbrechern

Behandlung

Empirisches Wissen zur Straftäterbehandlung
Grundlagen der Behandlungspraxis von psychisch gestörten Rechtsbrechern
Grundlagen der Verlaufsbeurteilung

Gefängnispsychiatrie

12

Randgebiete

Rechtspsychologie

4

Rechtsmedizin

Beurteilung der Alkoholintoxikation
Bewertung von Intoxikationen mit psychotropen Substanzen
Bewertung von Haaranalysen

8

Zusammen

240

 

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3. SCHWERPUNKT "FORENSISCHE PSYCHIATRIE" (WEITERBILDUNGSORDNUNG FÜR ÄRZTE)

 

Der Deutsche Ärztetag hat im Mai 2003 die Schwerpunktbezeichnung "Forensische Psychiatrie" beschlossen. In die (Muster-)Weiterbildungsordnung sind die unten stehenden Bestimmungen aufgenommen worden. Diese wurden im wesentlichen in die Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern übernommen. Wenden Sie sich für die für Sie verbindlichen Bestimmungen bitte an Ihre zuständige Landesärztekammer.

 

 

Schwerpunktbezeichnung "Forensische Psychiatrie"

(Quelle: (Muster)Weiterbildungsordnung 2003 gemäß Beschluss des 106. Deutscher Ärztetag 2003 in Köln, www.baek.de)

 

 

Weiterbildungsziel:

 

Ziel der Weiterbildung im Schwerpunkt Forensische Psychiatrie ist aufbauend auf der Facharztweiterbildung die Erlangung der Schwerpunktkompetenz nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeiten und Weiterbildungsinhalte.

 

Weiterbildungszeit:

 

36 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte

gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1, davon können bis zu

 

Weiterbildungsinhalt:

 

Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

 

  • ethischen und rechtlichen Fragen, die den Umgang mit psychisch kranken, gestörten und behinderten Menschen betreffen

  • der Erkennung und Behandlung psychisch kranker und gestörter Straftäter

  • gerichtlich angeordneter psychiatrisch-psychotherapeutischer Therapie, auch im Maßregel- und Justizvollzug

  • der Beurteilung der Schuldfähigkeit, der Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen und Zeugentüchtigkeit

  • den Grundlagen der Einweisung in den Maßregelvollzug einschließlich subsidiärer Maßnahmen unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften

  • der Beurteilung der Rückfall- und Gefährlichkeitsprognose

  • der Beurteilung der Verhandlungs-, Haft- und Vernehmungsfähigkeit

  • der Beurteilung der Reife von Heranwachsenden nach Jugendgerichtsgesetz sowie ihrer Anwendung im Straf-, Zivil- und Sorgerecht

  • Fragen des Zivil-, Betreuungs- und Unterbringungsrechtes einschließlich Geschäftsfähigkeit, Testierfähigkeit, Prozessfähigkeit

  • forensischen Gutachten aus den Bereichen Sozial-, Zivil- und Strafrecht

  • verwaltungs- und verkehrsrechtlichen Zusammenhangsfragen

  • der Beurteilung und Behandlung von Störungsbildern wie aggressives Verhalten, sexuell abweichendes Verhalten, Suizidalität, Intoxikationssyndrome

 

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